1. Die Forstwirtschaft ist der Inbegriff von Nachhaltigkeit, d. h. die ideale Verbindung von Wirtschaft, Ökologie und Sozialem. Sie selbst sprechen oft davon, dass der Wald multifunktional ist. Was meinen Sie damit genau?
Der Wald ist ein Multitalent. Er ist Klimaschützer, Sauerstoffproduzent und stellt den Rohstoff Holz zu Verfügung, er ist Erholungsort und Lebensraum für vielzählige Tier- und Pflanzenarten. All diese Funktionen müssen immer wieder ausbalanciert werden. Die Waldbauern leisten mit ihrer nachhaltigen Waldbewirtschaftung einen zentralen Beitrag für die Aufrechterhaltung dieser Ökosystemleistungen des Waldes.
Zurzeit steht die Klimaschutzleistung des Waldes im Vordergrund, da durch das Cluster Wald und Holz rund 14 Prozent der CO2-Emissionen unserer Volkswirtschaft gebunden werden. Wer sich für den Klimaschutz einsetzt, muss dafür sorgen, dass die Wälder für die kommenden Generationen erhalten bleiben.
2. Oftmals hört man den Satz „Schützen durch Nützen“ – was verbirgt sich dahinter?
Nur durch eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes wird dieses Ökosystem mit seinen vielfältigen Funktionen aufrechterhalten. Die Waldwirtschaft in Deutschland hat sich über Generationen eine hohe Expertise im Sinne der Nachhaltigkeit erarbeitet. So sind die Waldeigentümer seit Jahrzehnten aktiv im Waldumbau. Bereits heute bestehen über 70 Prozent der Wälder aus Mischwäldern und reinen Laubwäldern. Um uns auf den Klimawandel einzustellen, müssen wir neben heimischen Baumarten auch andere Baumarten pflanzen, wie Douglasien oder Roteichen, die Wetterextremen wie Dürre und Trockenheit besser standhalten, und die gleichzeitig den wertvollen Rohstoff Holz zur Verfügung stellen. Wer dagegen Wälder stilllegen will, steckt noch in ideologischen Grabenkämpfen der 70er/80er Jahre. Auch riskiert er wachsende Holzimporte aus Ländern wie Brasilien, Indonesien oder Russland, die auf ihre Wälder wenig Rücksicht nehmen. Darüber hinaus erhöht sich der CO2-Ausstoß aufgrund langer Transportwege. Die Bewirtschaftung eines Waldes und der Schutz dieses Ökosystems sind kein Gegensatz!
3. Sie vertreten 2 Mio. Waldeigentümer. Was sind deren Wünsche an die Politik in der nächsten Legislaturperiode?
Die Stabilisierung unserer Wälder ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hier geht es um unser aller Lebensgrundlage. Viele Waldbauern stehen vor der Herausforderung, bei sinkenden Einnahmen den Waldumbau voranzutreiben und die Wiederaufforstung geschädigter Flächen zu garantieren. Es geht um die Schaffung von Rahmenbedingungen, damit uns die Vielfalt des Waldeigentums erhalten bleibt. Daher braucht es für alle Waldeigentümer besondere Anreize, um ihr Engagement im Wald zu erhöhen. Vor allem die Kleinprivatwaldbesitzer müssen motiviert werden, um sich Waldgenossenschaften, Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbauvereinen zu organisieren.
Die Klimaschutzleistung des Waldes in Wert zu setzen, wäre so ein Anreiz. Denn Waldbesitzer und Familienforstbetriebe können allein vom Holzverkauf die Finanzierung des Waldumbaus nicht mehr bestreiten. Die Honorierung der Klimaschutzleistung aus Mitteln des Energie- und Klimafonds (EKF) wäre ein praktikabler Lösungsansatz nach dem Prinzip Leistung für Gegenleistung. Seit diesem Jahr werden finanzielle Mittel aus der CO2-Bepreisung der Sektoren Verkehr und Gebäude zur Verfügung stehen, die in den EKF fließen. Nach unserem Honorierungsmodell würden gerade einmal 5 Prozent den Wäldern zugutekommen. Für diese Forderung erhalten wir viel Zuspruch aus der Politik. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass dieser Zuspruch in politische Entscheidungen mündet und in diesem Superwahljahr in die Regierungsprogramme und Koalitionsvereinbarungen einfließt.
Auch fordern wir, den Rohstoff Holz im Gebäudesektor bei öffentlichen und privaten Bauvorhaben verstärkt einzusetzen. Es gibt in Deutschland einen großen Nachholbedarf z.B. beim Holzbau. Aber auch der energetisch-thermische Einsatz von Rest- und Schadholz ist wichtig, weil dadurch CO2-intensive Energieträger wie Kohle, Öl und Gas substituiert werden.
Das Cluster Forst und Holz ist ein wichtiger Wirtschaftszweig und ein starker Pfeiler im ländlichen Raum! Wir wünschen uns auch von der nächsten Bundesregierung ein reges Interesse am Wald und seinen Bewirtschaftern.
4. Waldbesitz ist immer auch eine Generationenfrage. Sie übergeben gerade Ihren Betrieb an die kommende Generation und da interessiert es uns: Welche politischen Rahmenbedingungen wünschen Sie sich für Ihren Sohn?
Meinem Sohn wünsche ich, dass auch er die Freude nicht verliert, im Wald verantwortlich handeln und gestalten zu dürfen. Da wir nicht genau wissen, wie sich das Klima in den nächsten Jahren entwickelt, und welche Baumarten dem Klimawandel standhalten, müssen wir uns im Waldbau so breit wie möglich aufstellen. Es handelt sich um eine Generationenaufgabe. Heute bilden wir die Grundlage für Forste, die angepasst an die Folgen des Klimawandels auch weiterhin als Ökosystem funktionieren sollen. Ich wünsche ihm die Weitsicht, dabei die Klimaresilienz und die Bereitstellung des wertvollen Roh-, Bau- und Werkstoffs Holz für künftige Generationen im Auge zu behalten. Der Staat soll für gute Rahmenbedingungen sorgen, damit die Waldbesitzer eigenverantwortlich und mit ihrer ganzen Expertise die Wälder bewirtschaften und pflegen können.